Datenquellen
Qualitätsberichte der Krankenhäuser auswerten: was drinsteht und was nicht
Jedes zugelassene Krankenhaus in Deutschland muss jährlich einen strukturierten Qualitätsbericht veröffentlichen. Der Gemeinsame Bundesausschuss legt Inhalt und Format fest, die Berichte sind öffentlich und liegen als XML vor. Für das Berichtsjahr 2024 sind das rund 2.200 Hauptberichte.
Was ein Bericht enthält
Der Bericht ist je Standort gegliedert, darunter je Fachabteilung. Für jede Fachabteilung stehen dort die vollstationäre Fallzahl, die häufigsten Hauptdiagnosen nach ICD-10 mit Fallzahl, die häufigsten Prozeduren nach OPS mit Anzahl, die angebotenen Leistungen, die apparative Ausstattung und die personelle Besetzung. Dazu kommen Angaben zum Haus insgesamt: Träger, Betten, Ambulanzen, Qualitätsindikatoren aus der externen Qualitätssicherung.
Für eine Marktbetrachtung sind vor allem die Prozeduren interessant. Wer wissen will, welche Kliniken roboterassistiert operieren, sucht nach dem OPS-Kode 5-987 und bekommt je Fachabteilung die gemeldete Anzahl. Für 2024 sind das in der Urologie 224 Fachabteilungen mit mindestens zehn Eingriffen.
Was der Bericht nicht enthält
Drei Grenzen sind wichtig, und sie werden oft übersehen.
Erstens werden nur die häufigsten Prozeduren je Fachabteilung gelistet. Was unter die Schwelle fällt, fehlt. Eine große Abteilung mit breitem Spektrum meldet deshalb bei seltenen Eingriffen weniger, als sie tatsächlich macht. Die Zahlen sind Untergrenzen, keine Vollerhebung.
Zweitens werden Werte unter vier aus Datenschutzgründen nicht ausgewiesen. Bei seltenen Eingriffen fehlen kleine Häuser also ganz.
Drittens zählt der Bericht Prozeduren, nicht Fälle. Ein Patient mit zwei Eingriffen im selben Aufenthalt erscheint zweimal. Wer Prozedurenzahlen aus den Qualitätsberichten mit Fallzahlen aus den InEK-Daten vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Dinge.
Wofür die Berichte trotzdem taugen
Für die Frage, welche Kliniken einen Eingriff überhaupt anbieten und in welcher Größenordnung, sind die Qualitätsberichte die beste öffentliche Quelle. Sie nennen Standort, Fachabteilung und Volumen. Damit lassen sich Zielkliniken für den Vertrieb finden, Wettbewerber im Einzugsgebiet einordnen und Konzentrationseffekte zeigen. Für Zeitreihen und exakte Fallzahlen sind die InEK-Daten die bessere Ergänzung.
Wie beide Quellen zusammenspielen, zeige ich auf der Seite Datenquellen. Beispiele fertiger Auswertungen stehen unter Beispiele.

Veröffentlicht am 14. Juli 2026.