Datenquellen
Bundes-Klinik-Atlas oder eigene Auswertung: was der Atlas kann und was nicht
Der Bundes-Klinik-Atlas ging im Mai 2024 online und wird seit April 2026 vom Gemeinsamen Bundesausschuss betrieben. Er zeigt für jede Klinik Fallzahlen zu ausgewählten Eingriffen, Pflegepersonal und Zertifikate. Die Daten stammen aus denselben Quellen, die ich nutze: den Qualitätsberichten und den InEK-Daten.
Was der Atlas gut kann
Er beantwortet die Frage eines Patienten: Welche Klinik in meiner Nähe macht den Eingriff, und wie oft? Die Darstellung ist einheitlich, die Suche ist einfach, und die Zahlen sind amtlich.
Wo er für Markt- und Strategiefragen nicht reicht
Erstens: Der Atlas ist auf Einzelabfragen ausgelegt. Eine Liste aller 224 Kliniken mit roboterassistierten Eingriffen, sortiert nach Volumen und mit Bundesland, lässt sich nicht exportieren.
Zweitens: Die Eingriffe sind vorgegeben und grob. Für viele fachliche Fragen braucht es eigene OPS-Definitionen. Ob eine Klinik Neoblasen anlegt, ob sie die Fluoreszenz bei der Blasentumorresektion einsetzt, ob sie offen oder roboterassistiert an der Niere operiert, steht im Atlas nicht.
Drittens: Keine Zeitreihen. Der Atlas zeigt ein Jahr. Ob eine Klinik wächst oder schrumpft, ob ein Verfahren bundesweit zunimmt, lässt sich nicht ablesen.
Viertens: Keine Verknüpfung. Umkreis um einen Standort, Anteil am regionalen Volumen, Konzentration auf wenige Häuser, Vergleich mit dem Bundesmedian: Das alles entsteht erst, wenn man die Rohdaten selbst verarbeitet.
Meine Empfehlung
Für eine schnelle Einzelprüfung ist der Atlas die richtige Adresse. Für Vertriebsplanung, Wettbewerbsanalyse oder eine Argumentation gegenüber Träger oder Kostenträger braucht es eine Auswertung, die auf die konkrete Frage zugeschnitten ist. Dafür gibt es die Rohdaten, und dafür gibt es diese Seite.

Veröffentlicht am 12. August 2026.