Methode
Warum Klinik-Fallzahlen aus Qualitätsberichten Untergrenzen sind
Wer Fallzahlen aus Qualitätsberichten zitiert, sollte ein Wort dazusagen: mindestens. Die gemeldeten Zahlen liegen systematisch unter der Realität, und der Effekt ist bei großen Häusern größer als bei kleinen.
Zwei Mechanismen
Der erste ist die Auswahl. Je Fachabteilung listet der Bericht die häufigsten Prozeduren. Eine urologische Abteilung mit 5.000 Fällen im Jahr hat hunderte verschiedener OPS-Kodes. Seltenere Eingriffe wie die Zystektomie rutschen dann unter die Liste, obwohl sie für die Einordnung der Klinik entscheidend wären.
Der zweite ist die Datenschutzschwelle. Werte unter vier werden nicht ausgewiesen. Eine Klinik mit drei Penisprothesen im Jahr erscheint in einer bundesweiten Auswertung dieses Eingriffs gar nicht.
Ein Rechenbeispiel
Eine urologische Fachklinik meldet für 2024 im Qualitätsbericht 28 radikale Zystektomien unter OPS 5-576. Dazu kommen 4 vordere Exenterationen unter 5-687.0, die bei Frauen häufig statt der Zystektomie kodiert werden. Zusammen 32. Die interne Zählung derselben Klinik ergibt 41. Die Lücke von neun Eingriffen entsteht durch Kodes, die in der Liste der häufigsten Prozeduren nicht mehr auftauchen.
Eine Gegenprobe über die Harnableitungen bestätigt das: 21 Neoblasen plus 15 Conduits ergeben 36 Harnableitungen, also mehr als die 32 gelisteten Entfernungen der Blase.
Was das für Auswertungen bedeutet
Drei Regeln, die ich in jeder Auswertung anwende. Erstens: Kodes zusammenfassen, die dasselbe beschreiben, etwa 5-576 und 5-687.0. Zweitens: Ergebnisse als Untergrenze ausweisen und die Schwelle nennen. Drittens: Für bundesweite Summen und Zeitreihen die InEK-Daten verwenden, die vollständig sind, aber keine Klinik nennen.
Wer nur eine Zahl braucht, kann sich das sparen. Wer Entscheidungen darauf stützt, etwa eine Vertriebsplanung oder eine Kooperationsstrategie, sollte die Lücke kennen.

Veröffentlicht am 23. Juli 2026.