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Erwachsenenpsychiatrie in Zahlen: was Qualitätsberichte und PEPP-Daten über 692 Standorte verraten

692Standorte mit Erwachsenenpsychiatrie, 57.056 Betten

Die Psychiatrie wird in Klinikdaten oft übersehen, weil sie nicht nach DRG, sondern nach PEPP abrechnet. Dabei sind die Quellen dieselben: Qualitätsberichte des G-BA, InEK-Datenlieferungen nach §21 KHEntgG, Grunddaten von Destatis. Für eine Auswertung der Erwachsenenpsychiatrie habe ich alle drei zusammengeführt. Einige Befunde aus dieser Arbeit.

Struktur

692 Standorte berichten für 2024 eine Erwachsenenpsychiatrie, davon 391 reine Psych-Standorte und 301 Abteilungen an somatischen Häusern. Zusammen 701.596 vollstationäre und 133.894 teilstationäre Fälle. Die Trägerstruktur ist anders als in den somatischen Fächern: 327 öffentliche Standorte behandeln 58 Prozent der Fälle, private Träger stellen 144 Standorte, aber nur 16 Prozent der Fälle.

Kapazität

Bundesweit stehen 57.056 Betten in der Allgemeinen Psychiatrie, seit 2018 praktisch konstant, Auslastung 90,6 Prozent, mittlere Verweildauer 24,4 Tage. Gewachsen sind die tagesklinischen Plätze, plus 18 Prozent auf 17.360. Die Bettendichte unterscheidet sich stark: Thüringen 80,8 Betten je 100.000 Einwohner, Bayern 57,4, Bund 67,4. Bettendichte und Fallrate der Länder hängen eng zusammen, das Angebot prägt die Nachfrage.

Diagnosen

Drei Gruppen decken knapp 80 Prozent der Hauptdiagnosen ab: affektive Störungen 35,0 Prozent, Suchterkrankungen 29,1 Prozent, Psychosen 15,1 Prozent. Die häufigste Einzeldiagnose ist die schwere rezidivierende Depression (F33.2) mit 115.283 Fällen, gefolgt von der Alkoholabhängigkeit (F10) mit 156.458 Fällen in der Substanzgruppe. Der Suchtanteil schwankt regional zwischen 22 und 40 Prozent.

Dynamik

Die InEK-Zeitreihe zeigt ein Wachstum ohne ein einziges Rückgangsjahr: alle PEPP-Fälle von 938.361 (2020) auf 1.093.761 (2025), plus 17 Prozent. Die vollstationäre Erwachsenenpsychiatrie wuchs um 8 Prozent, die Tagesklinik um 60 Prozent. Die stärksten Zuwächse liegen bei jungen Erwachsenen: Kokain plus 131 Prozent, PTBS plus 60 Prozent, ADHS plus 41 Prozent. Die 18- bis 29-Jährigen sind mit 20,4 Prozent die größte und am schnellsten wachsende Altersgruppe.

Projektion

Drei Szenarien bis 2035, gerechnet nach der Hill-Burton-Logik aus Fallzahl, Verweildauer und Auslastung: Im Ambulantisierungsszenario sinkt der Bettenbedarf auf rund 51.000, im Trendszenario steigt er auf rund 73.000, im Bedarfsszenario auf rund 80.000. Nur mit kürzeren Verweildauern, Tagesklinik, StäB und Institutsambulanzen lässt sich der Zusatzbedarf abfangen. Die Ausgabenseite bestätigt die Richtung: Der Anteil der stationären Psychiatrie an den GKV-Krankenhausausgaben stieg von 9,4 Prozent (2013) auf 14,0 Prozent (2023).

Was das für Fachgesellschaften heißt

Solche Zahlen sind Argumente. Gegenüber der Krankenhausplanung, gegenüber Kostenträgern, in der Pressearbeit. Sie liegen in öffentlichen Quellen, aber niemand setzt sie zusammen. Genau das biete ich an: einen Versorgungsreport für jedes Fachgebiet, mit Struktur, Fallzahlen, Zeitreihen, Bundesländervergleich und Projektion.

Richard Falkai
Richard FalkaiReferent der Klinikdirektion an einer urologischen Fachklinik, Gesundheitsmanager, Gründer von urowissen.de. Wertet Qualitätsberichte, InEK-Daten und den Bundes-Klinik-Atlas aus. Mehr über mich

Veröffentlicht am 10. September 2026.

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